Die
heutige Marktgemeinde Sigmundsherberg, ursprünglich ein kleines, bedeutendes
Straßendorf, wurde 1281 erstmalig als ,,Simonsherberg" urkundlich
erwähnt. Durch das ständige Anwachsen des Ortes als Bahnknotenpunkt
baute man 1936/37 eine neue Kirche.
Die Pfarre Sigmundsherberg besteht seit 1937, bis zu diesem
Zeitpunkt gehörte der Ort zum Pfarrsprengel Maigen. Die heutige Pfarrkirche
ist dem hl. Christo-phorus geweiht und wurde in den Jahren 1936-37 nach Plänen
des Architekten Wondracek, St. Pölten erbaut. Die Kirche weist in ihrer
räumlichen Konzeption gewisse Ähnlichkeit mit der Pfarrkirche zum
hl. Michael in St. Pölten auf, die vom gleichen Architekten stammt. Das
Hochaltarfresko, gotisierend in der Form eines Tryptichons ,wurde von F. Pitza
1946 gestaltet und stellt rechts den hl. Raphael, links den hl. Michael und
in der Mitte den hl. Christophorus dar. Der Marienaltar (in der Seitenkapelle)
und der Kreuzweg stammen ebenfalls von F. Pitza aus der Zeit 1949/50. Das große
figurale Glasfenster schuf H.A. Brunner 1937.
Ein Jahr vor Ausbruch des Zweiter Weltkrieges weihte Bischof Michael Memelauer das neuerrichtete Gotteshaus, die Pfarrechte wurden von Maigen auf Sigmunds-herberg übertragen. An diesem 25 Juli 1937 stand der Ort nicht nur im Zeichen der Kirchweihe, erstmals wurden auch Fahrzeuge gesegnet. ,,Es war ein eindrucks-volles und fesselndes Bild", las man wenige Tage später in der Weinviertler Zeitung. ,,In vollem Ornate stand der hochw. Herr Bischof auf dem Balkon an de Vorderfront der Kirche. Unten auf der daran vorbeiführenden Straße aber rollten in langsamem Tempo die Kraftfahrzeuge in langer, nicht endenwollender Reihe vorüber, sich einen Weg durch das dichte Spalier der Zuschauer bahnend. Alle Typen waren vertreten. Vor dem segenspendenden Oberhirten defilierten: 44 Personenwagen, 24 Motor-räder und 5 Lastwagen."
Auch heute noch nimmt der jeweilige Gastpriester nach dem Gottesdienst vom Balkon der Kirche die Generalsegnung vor. Danach werden Personen und Fahrzeuge einzeln gesegnet, immerhin oft bis zu 150 Autos, Motorräder Mopeds, Fahrräder und Traktoren. Zum Abschluß sind dann alle zu einem gemütlichen Beisammensein in den Pfarrsaal eingeladen. Frauen und Männer des Pfarr-gemeinderates bemühen sich hier Jahr für Jahr gemeinsam mit dem Pfarrer um einen reibungslosen Ablauf dieser bekannten ,,Wallfahrt der Kraftfahrer" im Waldviertel. Zur Erinnerung an die Segnung erhält jeder Lenker den ,,Geistlichen Führerschein" mit dem Christophorus-Versprechen und eine Ansichtskarte des Wallfahrtsortes.
Neben dieser großen Segnungsfeier jeweils am vorletzten oder letzten Juli Sonntag hat der jetzige Pfarrer von Sigmundsherberg Univ.-Prof. Dr. Jan Flis, vor ein paar Jahren auch monatliche Autofahrer-Messen eingeführt, d. h. immer (am letzten Sonntag eines Monats) steht der Gottesdienst um 9 Uhr ganz im Zeichen des Straßenverkehrs. Es wird zu dem Thema gepredigt, entsprechende Fürbitten werden vorgetragen.